Wie ich die Liebe lernte

Im Alter von 10 Jahren saß ich das erste Mal beim Therapeuten. Nicht weil ich in einer Krise war, sondern weil mich die Art und Weise, wie hier Menschen miteinander in Kontakt traten, fasziniert und begeistert hat. In den gruppentherapeutischen Settings von Dr. Dr. Wilfried Wieck in Berlin fand ich Vorbilder auf der Suche nach Selbsterkenntnis und Glücksfähigkeit.

Meine Eltern waren aktiv in diesen Pionier-Gruppen der 80er und 90er Jahre, als die Psychologie anfing, breit wirksame Angebote zur Selbstreflexion zu erfinden. Erste mutige Menschen begannen damit, ihre eigenen Verhaltensweisen zu erforschen und selbst dafür zu sorgen, wie sie glückliche Beziehungen führen und dem Leben zuträgliche Entscheidungen treffen.

Als kleines Mädchen durfte ich erleben, was geschieht, wenn ich mich selbst erkenne, wenn ich lerne gut zu mir selbst zu sein und die Verantwortung für meine eigenen Gefühle zu übernehmen. Die „patriarchatskritische und tiefenpsychologische Arbeit“ der Therapeutengruppe rund um meinen Lehrer begleitete mich 10 Jahre bis zum Tod von Wilfried Wieck im Jahr 2000. Ich hatte bis dahin eine mühsame und schwierige Pubertät mit vielen Konflikten und Selbstzweifeln, ja sogar selbstzerstörerischen Tendenzen durchlebt, und obgleich ich die Zusammenhänge mit meiner Biografie verstand und gedanklich wie sprachlich durchdrungen hatte, so blieben meine Gefühle doch dunkel.

Erst mit 22 Jahren fand ich eine erste echte Lösung. Ich traf auf die Gestalttherapeuten Angelika Stephan und Klaus Weber aus Freiburg. Beim „Werde, wer Du bist“-Seminar schaffte ich den Durchbruch zu mir selbst. In den Methoden der Gestalttherapie fand ich den bis dahin vergeblich gesuchten Hebel, wie ich meine Gefühlswelt beruhigen und meine inneren Muster tatsächlich auflösen und auf inneren Frieden umstellen konnte. Körperarbeit, Ritualarbeit, Psychodrama und dann die ganz rationale „Umprogrammierung“ meines Gehirns. Das befreite mich nachhaltig von meiner eigenen Ablehnung mir selbst gegenüber.

Ebenfalls zentral war Dr. Irmgard Hülsemann, deren Berliner Frauengruppe ich über viele Jahre besuchte und die mich durch so manche schwierige Lebenssituationen begleitete. Immer noch werden Männer und Frauen sehr unterschiedlich geprägt, und für beide Seiten bietet unsere Gesellschaft spezifische Zwänge und Chancen. Mich unter Frauen auszutauschen, deren Solidarität zu spüren, über Liebe, Lust und Sexualität zu sprechen und gemeinsam zu experimentieren, zählt bis heute zu meinen wichtigsten und wärmsten Erfahrungen.

Ich entschied mich für das Studium der Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Psychologie und Menschenrechte. Ich war durch und durch motiviert vom Wunsch, eine bessere Welt zu bauen. Eine Welt, in der jeder Mensch seine eigenen Vorstellungen verwirklichen und sein Potential entfalten kann. Die Gesellschaft sollte meiner Meinung nach eines fördern: Das Glück jedes Einzelnen.

Und mir war von Anfang an klar: Wir können nicht auf die Politik warten. Wir müssen es selbst in die Hand nehmen. Unseren Lebensraum so erschaffen, dass er dem Leben dient, nicht umgekehrt. Im Studium traf ich auch auf meinen heutigen Mann. Wir begannen unsere Verbindung zu einer Zeit, die ich rückblickend als meine „radikal ehrlichste Phase“ bezeichne. Ich wollte ihm auf gar keinen Fall irgendetwas vorspielen müssen, etwas darstellen, was ich nicht bin, etwas tun, was mir nicht voll und ganz entspricht. Ich wollte als ganzer Mensch in dieser Verbindung stehen und mit allen hellen und dunklen Seiten angenommen sein. So begann ein aufregender Weg voller Liebes-Abenteuer. Ein polyamores Leben im ganz normalen Wahnsinn zwischen tausend Anforderungen und Aufgaben und immer wieder der Suche nach dem eigenen Platz in dieser Welt.

Weil mir selbst die Gestalttherapie so sehr geholfen hatte, begann ich neben meinem Studium die fünfjährige Ausbildung zur Gestalttherapeutin. Ich liebte die wiederkehrenden Seminare in meinen Ausbildungs-Gruppen, in denen ich mich immer wieder neu erlebte und mein Repertoire erweitern konnte. Ab dem zweiten Ausbildungsabschnitt arbeite ich mit eigenen Klienten, gestärkt durch meine Peergruppen und intensive Supervision.

So sehr ich die Arbeit mit Menschen liebte, so sehr zog es mich auch in politische Prozesse, ins konkrete Machen und aktive Gestalten. Das erklärt, warum ich mit 29 Jahren eine Baugenossenschaft in Berlin mit gründete. Wir wollten eines der letzten verbleibenden Filetstücke der Berliner Innenstand der „kapitalistischen Verwertungslogik“ entziehen und ein ganzes Stadtquartier FÜR und MIT den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern planen und bauen. Es zählt zu den größten Wundern, die ich selbst je erlebt habe, wie aus einer Gruppe von 5 Menschlein eine Bewegung wurde, die ausschließlich aus eigener Kraft eine große Zukunftsvision verwirklichte: Den Bau von rund 500 Wohnungen mit einem Gemeinschaftszentrum, einem Kindergarten, einem Hotel und vielen kleinen Ladengeschäften als generationenverbindende, barrierefrei und ökologische Passivhaussiedlung!

Nach sieben Jahren an der Spitze des Projekts kam für mich der Zeitpunkt, Abschied zu nehmen. Etwas traurig, doch gleichzeitig dankbar für so viele kraftvolle Momente! Immer sind es die Menschen, die eine Sache prägen. Immer geht es um die Qualität der Beziehungen, wenn wir uns eigenes Potential entfalten wollen.

Weil mir diese Erfahrung so am Herzen liegt, habe ich begonnen mein Wissen über die Liebe zu systematisieren. Ich erforsche die Frage: Was brauchen Paare, damit sie im Alltag in eine gute Praxis miteinander finden und ihre Liebe über alle Krisen und Lebensaufgaben hinweg bewahren können? Jedes Paar entwickelt eine eigene COUPLE CARE, die immer wieder neue Impulse braucht.

Als COUPLE CARE COACH begleite ich heute Menschen, die aus mitunter schwierigen Beziehungen eine Quelle für Wachstum und Glück erschaffen wollen. Mein Angebot richtet sich an alle, die sich im Leben und in ihren Beziehungen angekommen und glücklich fühlen möchten. Die am Ende des Lebens nichts bereuen werden, weil sie das eigene Wesentliche in diesem Leben gefunden haben. Mit Liebe und Klarheit und allen Tälern und Höhen, die das Leben zu bieten hat.

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