Drei Regeln im Umgang mit Eifersucht

Eifersucht ist ein scheußliches Gefühl. Wobei es sich gar nicht um ein bestimmtes Gefühl handelt, eher um eine Stimmung oder Gefühlslage, aus der heraus sich der eifersüchtige Mensch mit allen möglichen negativen Gefühlen konfrontiert sieht. Manche Menschen erleben in ihrer Eifersucht Wut und Ärger, andere werden traurig und fühlen sich einsam, wieder andere fühlen sich als Versager und zweifeln an sich selbst. Jeder Mensch hat seine eigene schön-grausige Mischung aus schwierigen Gefühlen, die zu seiner Eifersucht gehören.

Kein Wunder, dass Eifersucht nervt. Sowohl unsere eigene als auch die unserer Partner oder Partnerinnen. Sie kann unser Wohlbefinden erheblich stören und es gehört zu den Dingen, gegen die man gerne eine Impfung hätte. Wir wollen Eifersucht nicht haben. Sie ist ätzend und störend.

Dumm nur, dass wir Eifersucht nicht abschaffen können. Egal, wie sehr wir uns gegen sie sträuben. Egal, in welchem Beziehungsmodell Paare leben, alle haben (mehr oder weniger) mit Eifersucht zu tun und müssen einen Weg damit finden. Die Verfechter der Polyamorie schlagen vor, die Eifersucht in „Mitfreude“ umzuwandeln, jenem Zustand, in dem ich mich einfach für meinen Partner freue, dass er etwas Schönes erlebt und dadurch keine Rückschlüsse auf mich selbst ziehe.

Auch die Polys wollen Eifersucht gerne abschaffen, indem wir sie eben in Freude transformieren sollen. Wenn du das kannst: Herzlichen Glückwunsch! Aber ich bin weder Buddha, noch Jesus, ich kann beim besten Willen keine „Mitfreude“ fühlen, wenn ich tief in meiner Eifersucht stecke. Dann ist Mitfreude eine Kopfgeburt und in meinem Bauch tobt das böse, wilde und verletzte Tier.

Statt einen Weg zu suchen, wie wir die Eifersucht loswerden, sollten wir zuallererst die Illusion verabschieden, dass wir diese Sorte von Gefühlen abstellen können. Wir erinnern uns? Gefühle gibt es nur im Gesamtpaket. Wer die ekstatischen Glücksgefühle der Liebe erleben will, der muss auch die Angst wahrnehmen, sie zu verlieren.

Mein erster Rat im Umgang mit Eifersucht: Akzeptiere sie! Hör auf, sie zu bekämpfen. Wende dich ihr zu und entdecke in der trüben Suppe deiner Stimmung die Vielfalt deiner negativen Gedanken und Gefühle. Sie sind Teil von dir, so wie auch das Schöne und Helle dazu gehört. Statt also von der Mitfreude zu träumen, schlage ich vor: Eifersucht darf da sein! Herzlich willkommen.

Akzeptiere die Eifersucht! Lass sie da sein! Bei dir selbst und deinen Liebsten.

Wenn ich die Eifersucht akzeptiere, dann kann ich anfangen, sie in ihren Umrissen schärfer zu erkennen. Ich kann die Gefühle einzeln benennen und die Gedanken und Annahme finden, die mich in meine negativen Gefühle hineinziehen. Ich kann den Schmerz beschreiben, den ich habe, weil ich Angst habe, weil ich eine diffuse Bedrohung fühle, weil ich selbst schlecht zur mir rede usw. Ich kann den ganzen ätzenden Sud in meinem Hirn betrachten und wenn ich mich damit äußern kann, dann muss ich diese Last nicht alleine tragen.

Die zweite wichtige Regel im Umgang mit Eifersucht: Wer eifersüchtig ist, der braucht liebevolle und verständnisvolle Mitmenschen, die zugewandt da sind und die einem Mut zusprechen. Statt für diese Gefühle abgelehnt zu werden, braucht der eifersüchtige Menschen Trost und Halt. Er muss spüren, hören, sehen und fühlen, dass er geliebt wird.

Wer eifersüchtig ist, gehört auf den roten Teppich!

Das meint nun nicht, dass wir einander schonen und uns nicht mit schwierigen Anliegen konfrontieren. Ganz im Gegenteil. Aber wenn uns das gemeinsame Miteinander in schwierige Gefühle treibt, aus denen wir gerade keinen Ausweg finden, dann brauchen wir Support. Denn dann ist uns meist das Gefühl abhandengekommen, dass wir liebenswert sind. Und darum braucht es dann besonders viel Liebe, die uns umfängt.

Wenn ich mich aufgehoben fühle mit meiner Eifersucht, wenn mein Partner Anteil nimmt an meinem Leid, an meinem Kummer, an meiner Angst, dann kann ich diese Gefühle leichter da sein lassen. Ich kann sie mit mehr Ruhe betrachten. Ich kann sie aushalten. Und ich werde – wenn ich hinschaue – wertvolle Dinge über mich selbst erfahren. Gerade in der Eifersucht liegt ein großer Schatz, den ich zur Selbsterkenntnis nutzen kann. Wie traurig wäre es, diese Flaschenpost nicht aus dem Wasser zu fischen?

Eifersucht erzählt dir alles über die Wunden deines Lebens. Und da diese Wunden i.d.R. in Beziehungen entstanden sind, sind Beziehungen auch der kraftvollste Ort für Heilung.

Eifersucht ist ein Geschenk. Nutze ihre transformative Kraft für deine Selbsterkenntnis!

Fazit: Eifersucht ist nicht schön. Doch wenn du deine Liebesfähigkeit verbessern willst, dann ist Eifersucht ein Geschenk. Wenn du dann irgendwann auch mal ein kleines Stück Mitfreude erlebst, dann ist das die Kirsche auf der Sahne. Süß und lecker. Aber die Sahne schmeckt auch ohne die Kirsche. Vor allem mit dem Eis darunter.

Aufmacherbild: Liebesschloss-Love Lock-cc_by_2Theo-Crazzolara