Wie geht Couple Care?

Nach der Phase der Verliebtheit beginnt die Phase der Alltags-Findung. Ihr seid nicht nur Paar, ihr seid auch Arbeitnehmer, Eltern, Freunde, Kinder eurer Eltern… So viele Anforderungen des Lebens wollen eure Aufmerksamkeit und es ist nicht einfach, den Raum des Paares zu halten und zu gestalten. Wenn es aber euer Wunsch ist, dass eure Liebe ein Leben lang hält, dann braucht das ebenfalls eure Kraft und eure Zeit. Denn Liebe ohne Mühe verkommt zu Pflichten und Regeln. Sie stirbt über kurz oder lang, wenn sie nicht aktiv gelebt wird.

Daher ist die erste Regel einer guten Couple Care: Schafft Raum für Begegnung und Dialog. Dieser Raum sollte so fest im Terminkalender stehen wie der Arbeitsbeginn am Montagmorgen. Sie darf keine Verschiebemasse sein, die dann noch Raum findet, wenn die Zeit es zulässt. Andersherum wird geplant: Erst die Paarzeit und dann der Rest. Täglich, wöchentlich, monatlich.

Tägliche Liebesarbeit: Berührung, Gesten und Worte

Ob wir uns im Alltag geliebt fühlen, hängt sehr stark von der Atmosphäre ab, die beide Partner miteinander schaffen. Zu dieser Atmosphäre tragen beide gleichermaßen bei. Zum einen geben wir selbst Stimmungen und Gefühle in eine Situation hinein, zum anderen spiegeln wir auch das, was uns vom anderen entgegenkommt. Wenn mein Partner bedrückt oder zurückgezogen wirkt, dann liegt es in meiner Verantwortung, ob ich darauf selbst mit Rückzug oder beleidigter Stimmung reagiere, oder ob ich offen auf ihn zugehe und durch meine Worte und Mimik die Atmosphäre im Raum verbessere.

Wir haben die (meist) unbewusste Tendenz, dass wir unser Gegenüber gerne in die eigene Stimmung hineinziehen wollen. Wir beeinflussen uns tatsächlich in sehr großem Umfang – positiv wie negativ. Insofern macht es großen Sinn, sich selbst mehr und mehr um positive Signale zu bemühen. Berührungen sind ein äußert kraftvolles Signal der Liebe und Verbundenheit. Liebe Worte und Gesten ebenfalls. Und es ist einfach: Berühre deinen Partner täglich mit der Hand, halte inne, schaue ihm in die Augen, atme durch und sprich etwas aus, was dich an eurer Liebe glücklich macht. Es klingt trivial. Aber es macht den Unterschied.

Wöchentliche Dialog-Zeit und Struktur-Absprachen

Viele Paare machen gute Erfahrungen damit, dass sie sich einen Termin pro Woche blocken. Einen Zeitraum von mindestens 2 Stunden, die nur dem Paar gehören. Einen Raum, der verteidigt wird und der da ist für Gespräch. Für das beieinander Ankommen. Macht nicht den Fehler und verbringt diese Zeit im Kino oder beim Sport (dafür solltet ihr euch zusätzlich verabreden). Sucht Euch einen ruhigen Ort und REDET miteinander. Ob ihr dabei die Methode des Zwiegesprächs anwendet oder eigene Formen entwickelt, ist ganz egal. Hauptsache ist, ihr hört euch zu. Aufmerksam und wirklich offen.

Gerade wenn die Leben vollgepackt sind und alles Mögliche an einem zerrt: Nehmt euch zusätzlich zur Dialog-Zeit einen kurzen – aber klar definierten – Moment für Struktur-Absprachen und sprecht eure Kalender durch. Wann ist wer wo gebunden? Welche häuslichen oder elterlichen Pflichten sind zu organisieren? Wer hat dafür den Hut auf? Wer kümmert sich um das Alltägliche wie Kundenbetreuung, Haushalt und Einkäufe? Welche sozialen Aktivitäten sind geplant? Ist genug Zeit für Regeneration eingeplant? Welche Zeiten haben beide Partner nur für sich selbst? Für Sport? Für Erholung? Für Freunde?

Achtet darauf, dass die Aufgaben und Ruhezeiten fair verteilt sind. Kommst du oder dein Partner dauerhaft zu kurz, dann wird das die Beziehung langfristig schwächen. Tauscht euch über eure Wünsche und Bedürfnisse aus und stellt sicher, dass euer Terminkalender ausreichend Freiraum für die Befriedigung eurer Bedürfnisse lässt. Ist das nicht der Fall, dann speckt ab! Das ist immer möglich, denn es ist einzig eine Frage der Prioritäten.

Monatlich: Urlaub vom Alltag

Neben den alltäglichen Begegnungen brauchen Paare regelmäßig Abstand vom Alltag. Besondere Zeiten, die dabei helfen zu reflektieren und sich neu auszurichten. Das kann eine gemeinsame Wanderung sein, ein Tag in der Sauna oder auch mal ein ganzes Wochenende. Hierbei geht es um emotionale Wellness-Zeit. Sich selbst gemeinsam gut tun. Ausruhen, durchatmen. Und aus der einkehrenden Ruhe einander anschauen und miteinander reden.

Positive Haltung und Wertschätzung

Beste Couple Care besteht aus Wertschätzung und einer positiven Haltung. Wer es gewohnt ist, permanent auf Defizite zu schauen, wer trainiert hat, dass er ständig am anderen herumkritisiert, der wird sich dauerhaft nicht geliebt fühlen können. Nur wenn wir zu uns selbst und zum anderen eine grundsätzlich wohlwollende Haltung einnehmen, kann ein Liebesgefühl immer wieder neu erwachen und uns durch unser ganzes Leben tragen.

Schaut aktiv auf die guten Dinge. Benennt diese Dinge. Erzählt euch davon. Je mehr wir auf das Gute und Schöne schauen, umso stärker tritt es in unser Wahrnehmungsfeld und beeinflusst die Entstehung von positiven Gefühlen. Natürlich sind wir nicht mit allen Dingen einverstanden, die unser Partner tut oder denkt. Das ist auch völlig in Ordnung. Doch sollten wir penibel darauf achten, unser Gehirn auf die Wahrnehmung des Verbindenden zu schulen. Denn dann wird es auch viel leichter möglich, das Trennende wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Und darum geht es bei der Couple Care: Die Anerkennung des Schönen, das uns verbindet und die konstruktive Bearbeitung dessen, was wir gemeinsam verändern wollten.

Aufmacherbild: Kali & Schuyler cc-by-nd-2 Robert Ramirez-Flickr