Leid und Schmerz gehören dazu

Es ist paradox: Wir sehnen uns nach Glück und Erfüllung, aber in dem Moment, wo wir uns danach sehnen, stoßen wir auf das Gegenteil. Wir spüren, dass wir eben nicht glücklich sind. In keiner supertollen Beziehung, in keinem Flow. Das Leben ist mühsam. Und Gefühle sind alles, nur nicht permanent schön.

In einer Liebesbeziehung ist das ganz genauso. Wer ständig glaubt, die Beziehung müsse besser sein, der verstärkt damit den Zustand der eigenen Unzufriedenheit. Was wäre, wenn wir einfach mal akzeptieren: Beziehung macht Arbeit. Kommunikation misslingt. Das Nervige gehört dazu.

Drauf geschissen! Wir sind nicht dauernd happy, nicht permanent gut drauf. Und unsere Partner sprudeln nicht ständig über vor Verzückung, wenn sie uns sehen. So ist das Leben.

Ist deshalb deine Beziehung schlecht? Ich vermute: Deine Beziehung ist ganz normal. Und das könnte mal ein richtig guter Ansatz für Beruhigung sein. Es kann uns wirklich erleichtern, wenn alles einfach da sein darf. Wenn du Durststrecken hinnehmen kannst und auch mal deine Tage mit Ärger, mit Groll, mit Angst erleben darfst, ohne daraus zu schlussfolgern, dass alles nur beschissen ist und für immer bleibt.

Denn verrückterweise ist nie alles nur beschissen. Zwischen dem Elend gibt es Leichtes, gibt es Überrauschendes und an einem ganz blöden Tag lächelt dich plötzlich jemand auf der Straße an. Dieser eine kleine Moment. Der darf auch da sein. Und er gehört genauso dazu, wie deine schlechte Laune.

Viele Menschen fürchten das Leid. Und auf der Flucht vor dem Leid tun sie alles, um nicht zu fühlen, um keine Fehler zu machen, um sich nicht zu blamieren oder was noch so alles. Aber was passiert, wenn ich mich ständig anstrenge und mich abstrample? Genau. Ich fühle mich gestresst und stelle exakt dadurch den Zustand her, von dem ich eigentlich weglaufen will.

Wer vor dem Schmerz flieht, beraubt sich selbst seiner kraftvollsten Quellen für Selbsterkenntnis. Eifersucht ist das beste Beispiel. Wir wollen Eifersucht unbedingt vermeiden, dabei ist sie so hilfreich und so wertvoll, wenn es darum geht zu ergründen, was für dich selbst wirklich wichtig ist im Leben. Wenn wir vor der Eifersucht weglaufen, dann werden wir niemals das in unseren Beziehungen verändern, was uns in die Eifersucht zwingt.

Oh man. Wir sind schon komische Tiere. Die meisten Menschen verbringen viel zu viel Zeit damit, sich über Dinge einen Kopf zu machen, die es absolut nicht wert sind. Und die meisten wissen nicht, wie wertvoll Schmerzen sind. Sie helfen uns zu entscheiden, wofür wir unsere Kraft einsetzen und was wir wichtig nehmen wollen.

Also lasst uns Fehler machen! Lasst uns die Scheiße des Lebens mit erhobenem Haupt entgegennehmen und nicht hinter dem Glück herjagen. Das Leid ist gar nicht so schrecklich. Es kann sich sogar liebevoll zu dir rüber lehnen und dir zuflüstern, dass du lebst.

Aufmacherbild: Vigeland II-CC-by-2Jon Olav Eikenes-Flickr